Einmalhandschuhe desinfizieren? Besser nicht!

Handschuhe entwickeln sich hier langsam zum Dauerthema – über den „Monat der Schutzhandschuhe“ hinaus, den wir vor kurzem ausgerufen hatten. Diesmal geht es um einen Fehler, den Sie vermeiden sollten: das Desinfizieren von Einmalhandschuhen.

Neulich kommentierte „U. Groger“ die Sechs Tipps zur richtigen Verwendung von Schutzhandschuhen im Haut-Blog:

„Meine MFA-Berufsschülerinnen [MFA steht für medizinische Fachangestellte; die Redaktion] werden in den Praxen oft dazu angeleitet, Schutzhandschuhe aus Latex, Vinyl oder Nitril mit Händedesinfektionsmittel zu “desinfizieren”, bevor sie zum Beispiel dem nächsten Patienten Blut abnehmen. Ich halte das für falsch, immerhin ist ein Händedesinfektionsmittel kein Handschuhdesinfektionsmittel. Würde mich freuen, wenn Sie mit dem Irrglauben vieler Sparsamer aufräumen könnten. Danke UG“

Einmalhandschuhe nur einmal verwenden – und nicht desinfizieren

Diese Anregung nehmen wir gern auf: Als erstes fällt die Erwähnung von Latex auf. In einem Beitrag über verschiedene Handschuh-Materialien haben wir auf die Allergiegefahr bei Latex hingewiesen.

Der nächste Punkt ist das Desinfizieren von Handschuhen. Wie ihr Name schon sagt, sollten Einmalhandschuhe auch nur ein einziges Mal verwendet werden. Das Desinfizieren brächte eine entscheidende Schwierigkeit mit sich: Zuvor müsste geklärt sein, dass das verwendete Desinfektionsmittel die Handschuhe nicht angreift. Und dies lässt sich gar nicht so leicht nachweisen. Und ein nennenswerter Spareffekt lässt sich vermutlich auch nicht erzielen. Vielleicht geht der Schuss sogar nach hinten los, wenn falsch gehandelt wird und dadurch neue Infektionsrisiken entstehen.

Nach Ablegen der Handschuhe: Hände desinfizieren

Das Desinfizieren im Zusammenhang mit Schutzhandschuhen sollte erst stattfinden, wenn diese ausgezogen wurden. Für die Arbeit in Kliniken gilt: „Nach Beendingung der Tätigkeit, unter Umständen auch zwischen der Verrichtung verschiedener Tätigkeiten an einem Patienten [oder einer Patientin], sind die Handschuhe im Allgemeinen abzulegen, und es ist eine hygienische Händedesinfektion durchzuführen“.

Das schreibt die Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention am Robert Koch-Institut in ihren Empfehlungen zur Händehygiene. Das Gremium begründet dies damit, dass Handschuhe keinen absolut sicheren Schutz vor einer Händekontamination gewährleisten; die Handschuhe können bei der Arbeit aufgerissen sein oder kleine Löcher bekommen haben. Oder die Hände werden beim Ausziehen der Handschuhe kontaminiert.

Seltene Ausnahmefälle

Der Vollständigkeit halber sei hier gesagt, dass Fachleute durchaus viel über das Für und Wider beim Desinfizieren von Handschuhen nachdenken – es gibt Ausnahmen, in denen das Desinfizieren „behandschuhter“ Hände richtig ist. Unter welchen Bedingungen das der Fall ist, steht ebenfalls in den Empfehlungen zur Händehygiene. Da diese Bedingungen aber nur selten erfüllt sind, liegt man mit der Faustregel „Einmalhandschuhe besser nicht desinfizieren“ (fast) immer richtig.

Foto: Kröger + Gross

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12 Kommentare zu “Einmalhandschuhe desinfizieren? Besser nicht!”

  1. Sehr geehrte Damen und Herren,

    googeln Sie bitte einmal “Positionspapier
    Desinfizierbarkeit von medizinischen Untersuchungshandschuhen“!
    Quelle ist der wissenschaftliche Beirat der Aktion Saubere Hände, und die aktuelle Version stammt vom 6. Juli 2015.
    Ich hoffe, dass Sie nach Lektüre dieses Papiers Ihre Meinung revidieren!

    Mit freundlichen Grüßen
    Florian Kühner-Feldes

  2. Aus meiner Sicht ist eine Desinfizierbarkeit von Einmalhandschuhe (wie der Name schon sagt, sollten die auch nur einmal benutzt werden) nur vertretbar, wenn die Desinfizierbarkeit und Dichtheit für einen bestimmten Handschuh reproduzierbar geprüft wurde. Die Empfehlung, Schutzhandschuhe generell zu desinfizieren und für unterschiedliche Patienten zu verwenden, ist abzulehnen. Zur gleichen Einschätzung kommt die oben genannten RKI-Richtlinie. Diese RKI-Richtlinien sind selbst zwar kein Gesetze, setzen aber dennoch den aktuellen technischen und wissenschaftlichen Standard und gelten als verbindliche Grundlage für erforderliche Präventionsmaßnahmen. Ein weitere unterstützende Einschätzung ist auch in der AWMF_leitlinie “Anforderungen an Handschuhe zur Infektionsprophylaxe im Gesundheitswesen.

  3. Man beachte die Veröffentlichungsdaten der RKI-Richtlinie und des Positionspapiers der Aktion saubere Hände! Dazwischen liegen 13 Jahre!

    In der AWMF gibt es tatsächlich weitere unterstützende Einschätzungen – allerdings auch FÜR die Handschuhdesinfektion (ebenfalls copy&paste): …”Dagegen konnte nachgewiesen werden, dass die Desinfektion auch im klinischen Alltag unter bestimmten Umständen praktikabel und sinnvoll ist”… Ein typischer Fall von confirmation bias!

    Niemand empfiehlt, Schutzhandschuhe “generell” zu desinfizieren! Aber es gibt Nischen, die bei differenzierter Handhabung (also nicht als allgemeines Handlungsprinzip) eine Desinfektion sinnvoll erscheinen lassen.

    Ferner beachte man die Begründung im Positionspapier der Aktion Saubere Hände für die immanente Desinfizierbarkeit von Nitrilhandschuhen, die einen Einzelnachweis überflüssig macht!

    Ein Einmalhandschuh heißt Einmalhandschuh, weil ich ihn nur einmal tragen darf. Das heißt nicht, dass ich, solange ich ihn trage, damit nicht mehrere Dinge tun darf!

  4. Der Diskussionsverlauf zeigt, dass es – wie bei vielen Themen rund um Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz – nicht DIE eine Wahrheit gibt und viele Perspektiven berücksichtigt werden sollten. Alles in allem finde ich aber die (kritische und konstruktive) Auseinandersetzung mit genau diesen Themen sehr hilfreich.

    Für mich sind die Argumente (oder potenziellen Vorteile) für ein Desinfizieren von Einmalhandschuhen nicht überzeugend. Ist es hygienischer, den Handschuh zu desinfizieren und von einem Patienten zum nächsten zu gehen? Werden dadurch wirklich signifikant Zeit und Geld eingespart? Medizinische Einmalhandschuhe bieten keinen 100%-igen (Stichwort AQL_Wert 1,5) Schutz vor Infektionen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und somit auch keinen Schutz vor Weiterverbreitung der Keime. Bei den Betrachtungen sollte auch immer der Schutz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor Infektionen mit bedacht werden.

  5. Medizinische Einmalschutzhandschuhe waren noch nie zum Schutz vor Weiterverbreitung von Keimen gedacht, sondern ausschließlich zum Schutz der Mitarbeiter vor Verunreinigung – und damit vor dem strapaziösen Händewaschen. Zum Schutz vor Weiterverbreitung der Keime dient hingegen ausschließlich die Händedesinfektion nach dem Ausziehen der Handschuhe – oder eben vielleicht die gezielte Desinfektion der behandschuhten Hand.

    Beispiel:
    Wer Blut abnimmt, trägt dabei vorsorglich Schutzhandschuhe für den Fall, dass er versehentlich mit Blut in Berührung kommt. Geschieht dies jedoch nicht (der Regelfall!), ist der Handschuh nicht blutkontaminiert, also quasi unbenutzt! Warum soll er dann gewechselt werden?

    Erlauben Sie einen Vergleich: der Sicherheitsgurt im Auto ist für den einmaligen Gebrauch (nämlich für EINEN UNFALL) gedacht. Danach gehört er, wenn noch sinnvoll, ausgewechselt, ebenso, wenn er auf andere Weise beschädigt wurde…
    Wenn ich ihn aber nur VORSORGLICH angelegt hatte, dann aber die Fahrt ohne einen Crash hinter mich gebracht habe, kann ich ihn getrost bei der folgenden Fahrt wieder anlegen, ohne ihn vorher auswechseln zu müssen!
    Bei bei einer Serie von n Blutentnahmen ohne Zwischenfälle spart man also die signifikante Anzahl von n-1 Paar Handschuhen sowie die Zeit für n-1 Handschuhwechsel- und dieser Wechsel ist – nebenbei bemerkt – bei jeweils frisch desinfizierten Händen eine nervenaufreibende Pfriemelei!

  6. Für mich stellt sich dann aber die Frage, warum die Handschuhe desinfiziert werden sollen – wenn Sie nach Ansicht des letzten Beitrags “unbenutzt” sind.
    Aus unserer Sicht (also die Sicht der gesetzlichen Unfallversicherung) geht es beim hygienischen Arbeiten nicht ausschließlich um den Infektionsschutz von Patienten und Bewohnern, sondern auch um den Schutz der Mitarbeiterin und des Mitarbeiters vor Infektionen. Aus meiner Perspektive gehören nach der hygienischen (und hautschonenden) Händedesinfektion die medizinischen Schutzhandschuhe zu den wichtigsten infektionsprophylaktischen Maßnahmen.

    Im Ursprungsartikel wird ja dargestellt, dass unter bestimmten Bedingungen und Voraussetzungen eine Desinfektion von Einmalhandschuhen denkbar ist, z. B. bei Blutentnahmen. Ich halte es allerdings für fragwürdig, eine generelle Mehrfachverwendung von Einmalhandschuhen zu empfehlen. Das sollte doch eher der Ausnahmefall bleiben. Der sicherste passive Infektionsschutz ist unbestritten die Distanzierung – also der Handschuh. Wenn das Handschuhmaterial dem Kontakt mit dem Händedesinfektionsmittel nachprüfbar standhält, spricht da im besagten Fall nichts dagegen. Fatal wäre es nur, wenn ein Handschuh seine Beständigkeit durch das Desinfizieren einbüßt und somit auch eine Gefährdung des Personals entsteht. Dabei ist zu beachten, das Desinfektionsmittel als Gefahrstoffe betrachtet werden und medizinische Schutzhandschuhe werden nicht auf die Beständigkeit gegen Chemikalien oder Gefahrstoffe getestet. Die physikalische Beeinträchtigung des Handschuhmaterials durch die Einwirkung von Chemikalien wird als Degradation bezeichnet. Die Veränderung des Handschuhmaterials kann die Benutzerin bzw. der Benutzer (irgendwann) noch erkennen. Aber die Penetration (= Durchtritt on Stoffen durch makroskopische Löcher) und Permeation (= Durchdringen von Substanzen im molekularen Bereich) laufen unbemerkt ab. Irgendwann landet das, was draußen bleiben soll auf der Haut.
    Zusammenfassend lässt sich also festhalten, dass eine Handschuhdesinfektion unter bestimmten Voraussetzungen denkbar ist, aber eine allgemeingültige Beurteilung aufgrund stark unterschiedlicher Desinfektionsmittelrezepturen und Handschuheigenschaften nicht möglich ist.
    Optimalerweise erkunden Sie sich bei Ihrem Handschuhhersteller nach den entsprechenden Eignungen.

    Ein Tipp für die Praxis: Halten Sie idealerweise die Ausnahmen im Hygieneplan fest – dann herrscht für alle Klarheit.

  7. Ob Einmalhandschuhe geeignet sind für eine Desinfektion ist eindeutig festgelegt und wird von den AP auch überprüft z.B. bei der Wischdesinfektion. Grundlage sind die im Sicherheitsdatenblatt angegebenen Prüfverfahren und Angaben zu den Handschuhen> arbeitsmedizinische Einmalhandschuhe nach EN 455 nie, nach EN 374 III würde es sehr wohl gehen.
    Oder liege ich da verkehrt?? Dann bitte ich um Aufklärung.

  8. Da liegen Sie richtig:
    Zur DIN EN 455 (Handschuhe zum einmaligen Gebrauch) gehört u.a. die Prüfung auf Dichtigkeit (Stichwort AQL), die Prüfung auf physikalische Eigenschaften und die eine Bewertung der biologischen Eigenschaften (Proteingehalt etc.)sowie Anforderungen zur Haltbarkeit. Sie dienen in erster Linie der Hygiene und der Infektionsvermeidung bei Kontakt von medizinischem Personal und Patienten etc.
    Medizinische Einmalhandschuhe, die nur die Anforderungen der DIN EN 455 erfüllen, sind keine Chemikalienschutzhandschuhe.

    Die DIN EN 374 (Schutzhandschuhe gegen Chemikalien und Mikroorganismen) besteht aus drei teilen und legt Anforderungen zum Schutz vor Chemikalien und/oder Mikroorganismen fest.

  9. Liebe Leserinnen und Leser,

    ich möchte heute das Thema gerne noch mal aufgreifen.

    Ein Grund ist die just erschienene aktualisierte Emfpfehlung des Robert-Koch-Instituts zur Händehygiene in Einrichtungen des Gesundheitswesens.

    In den vorangegangenen Diskussionen wurde z. T. die Aktualität der RKI-Empfehlungen kritisch hinterfragt.

    In der nun im September 2016 veröffentlichten Aktualisierung äußert sich das RKI recht deutlich zum hier diskutierten Thema.
    Schauen Sie doch mal nach:
    http://www.rki.de/DE/Content/Service/Presse/Teaser-Archiv/2016/47_2016_Teaser.html

    Unter anderem schreibt das RKI deutlich, dass “Medizinische Einmalhandschuhe […]
    nach Beendigung der jeweiligen Tätigkeit
    abzulegen [sind]. Ihr Wechsel korreliert mit
    den Indikationen der Händedesinfektion…” und weiter: “Nach dem Ausziehen der
    Handschuhe ist in jedem Fall eine Händedesinfektion durchzuführen, da Handschuhe auf Grund unerkannter Perforationen und dem Risiko der Kontamination beim fehlerhaften Ausziehen der Handschuhe keinen lückenlosen Schutz vor der Kontamination der Hände gewähren.”.

    Die Desinfizierbarkeit von Einmalhandschuhen ist nach den Ausführungen des RKI nur in “speziellen Fällen” vorgesehen. An gleicher Stelle werden die entsprechenden Voraussetzungen, die zu berücksichtigen sind, erläutert:
    “Der Handschuh muss chemikalienbeständig
    gemäß EN 374 [294] sein, wobei die Prüfung der sog. Durchbruchzeit von 30 min (Schutzindex Klasse 2) mindestens einen Alkohol einschließen soll. Vom Hersteller der
    Handschuhe und vom Hersteller des
    Händedesinfektionsmittels darf es keine Angaben geben, die einer Desinfizierbarkeit
    des Handschuhs entgegenstehen. Der Handschuh soll nur während der Versorgung an ein und demselben Patienten [!] verwendet werden und ist nach Beendigung der jeweiligen Tätigkeit
    abzulegen… . Der Handschuh weist keine sichtbare Perforation auf und ist nicht mit Blut, Sekreten oder Exkreten erkennbar
    kontaminiert.” (Quelle: KRINKO-Empfehlung “Händehygiene in Einrichtungen des Gesundheitswesens”; Bundesgesundheitsbl 2016 · 59:1189–1220

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