Kuchen mit Verzierung liegt in einer Mensa zur Ausgabe bereit - Detail

Desinfizieren: Ihre Fragen, unsere Antworten (Mini-Serie, Teil 2)

Diesmal geht es um die richtige Hygiene beim Arbeiten in einer Mensa. Die BGW Haut-Experten schrieben hier eine klare Antwort auf die Frage einer Leserin: Desinfizieren ist besser als Waschen.

Schulmensa mit Cafeteria: Welche Hygiene brauchen die Hände?

Ein Leserin aus einer Mensa mit Cafeteria an einer Realschule stellte folgende Fragen: Was ist hygienischer? Händewaschen bei Bedarf, auch mal mit weichen Einwegtüchern nur Abtrocknen oder ständiges Händewaschen und Desinfizieren? Schädigt letzteres die „geschlossene Hautflora“?

Das BGW Haut-Team antwortete:

Desinfizieren ist besser als Waschen (eine Händewaschung genügt vor Arbeitsbeginn und nach Arbeitsende). Bei tatsächlicher wie auch fraglicher mikrobieller Kontamination der Hände ist eine hygienische Händedesinfektion das einzig Richtige. Denn die hygienische Händedesinfektion entfernt die Kontaminationsflora. Händewaschen leistet weit weniger: Danach verbleiben immer noch viele Keime auf der Haut und somit ist das Weiterverbreitungsrisiko gegeben.

Es ist nicht so, dass das Desinfizieren die “geschlossene Hautflora” schädigt (die hauteigene Bakterienflora würde erst durch eine chirurgische Händedesinfektion entfernt). Die hygienische Händedesinfektion entfernt die Kontaminationsflora.

Alle Beiträge der Mini-Serie zum Desinfizieren

Desinfizieren ohne Patientinnen- und Patientenkontakt nötig?

Personal im Krankenhaus: Was tun nach dem Toilettenbesuch?

Foto: BGW/ Dag von Boor

7 Kommentare zu “Desinfizieren: Ihre Fragen, unsere Antworten (Mini-Serie, Teil 2)”

  1. Ich hätte die Frage anders gestellt: Ist es in einer Gemeinschafts-Cafeteria – egal ob in KiTa, Schule oder Krankenhaus – überhaupt sinnvoll, die Händedesinfektion anzubieten? Schließlich kommt es doch vor Ort zu keiner Kontamination der Hände…?!
    Ihre fachliche Einschätzung würde mich sehr interessieren. Danke

    1. Hier lohnt sich eine Präzisierung, was mit “Kontamination” gemeint ist: Es besteht die Möglichkeit, dass Mitarbeitende oder Kinder als Gäste Keime in eine Cafeteria mitbringen. Diese möglichen Infektionsketten gilt es zu unterbrechen. Wenn es um Keimreduktion in diesem Sinne geht, ist die Händedesinfektion immer das Mittel der Wahl.

      1. Dieser Position schließe ich mich an. Die Händedesinfektion in der Cafeteria sollte nicht verpflichtend, sondern als Angebot verstanden werden. Wenn bspw. ein Gast Finger-food verzehrt, kann er sich so selbst schützen. Wenn andererseits ein Gast eine Magen-Darm-Infektion hat, kann er durch Händedesinfektion die anderen Gäste schützen, Jeder Tisch, Stuhl oder Handlauf könnte ansonsten Keime übertragen.
        Übertriebenen Hygienevorstellungen sollte man durch Information begegnen.

  2. Hallo !

    Mich bewegt heute eine Frage zur Händedesinfektion: Mit der Aktion “Saubere Hände” wurde eine Einreibe-Methode empfohlen ohne standartisierte Bewegungsabläufe der Hände. Die klassische und auch in der Praxis etablierte Einreibe-Methode in festgelegten 6 Schritten und Wiederholungen nach Norm ist weiterhin verbreitet. Sie gilt jedoch als weniger wirksam.
    Welche Methode wird heute von der BGW für die Praxis bevorzugt.

    Vielen Dank für diesen Hautblog !!!

    1. Ich konnte mich soeben mit einem Kollegen dazu austauschen.

      Das Ergebnis zählt: Es gilt, immer eine ausreichende Menge Desinfektionsmittel zu verwenden, Benetzungslücken zu vermeiden und die Hände lange genug zu desinfizieren. Wie erreichen wir das? Wenn sich dies mit Anleitungen erlernen lässt, ist das natürlich in Ordnung. Die Vorgabe einer Bewegungsabfolge scheint jedoch in der alltäglichen Arbeit häufig schwer umsetzbar und führt nicht zwangsläufig zu einer sicheren Vermeidung von Benetzungslücken.

      Deshalb ist es wichtig, regelmäßig für das Thema zu sensibilisieren, das Desinfizieren zu trainieren und gemeinsam das persönliche Verhalten zu reflektieren. Hier haben sich Trainings mit sogenannten Schwarzlichtlampen bewährt.

      Viele Empfehlungen zu standardisierten Einreibemethoden beziehen sich auf die DIN EN 1500 als Grundlage für eine sichere Einreibemethode zur Vermeidung von Benetzungslücken. Dies ist jedoch kein klinisch geprüfter Standard zur Einreibung mit einem Händedesinfektionsmittel. Die DIN EN 1500 ist eine standardisierte Methode zur Prüfung von Händedesinfektionsmitteln.

      1. Vielen Dank für diese ausführliche, rasche und sorgfältige Antwort !
        Bei der Suche bin ich gestern Abend noch auf eine Studie von Prof. Kampf et al. gestoßen : Die sogen. “Eigenverantwortliche Einreibemethode” hat sich gegenüber der Prüfmethode nach Norm als überlegen gezeigt.
        Am schlechtesten (!) – mit signifikant mehr Benetzungslücken – haben die Bewegungsabläufe analog der Einreibe-
        methode EN 1500 abgeschnitten.
        Die Aktion Saubere Hände ist da offenbar auf dem richtigen Weg. Man sollte ihr folgen. Und: Bleiben Sie gesund!

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